China - Shanxi 1999

 
     
 
 
 

"Projektbesuch in der Provinz Shanxi – 1999"
- Pingyao und "Im Traum der roten Kammer", 9. und 10. Juli 1999 -

 
     
 

Pingyao – ca. 100 km südwestlich der Provinzhauptstadt Taiyuan – ist ein kleiner Flecken mit alter Tradition inmitten der großen Provinz Shanxi (156.000 km, ca. 45. Mio. Einwohner). Die Kreisstadt besitzt eine über 2.700 Jahre alte und 6,4 km lange Stadtmauer mit Zinnen inner- und Wallgräben außerhalb der Mauer, jeweils vier Meter tief und breit. Es gibt sechs Stadttore, jeweils zwei in der Ost- und Westmauer und eines in der Nord- und Südmauer. Jedes Stadttor besteht aus einem äußeren und einem inneren Tor, ist von einem Wachturm gekrönt, und an jeder Ecke der quadratischen Stadtmauer steht zudem ein sieben Meter hoher Eckturm. Während der Qing-Dynastie (1644 - 1912) war Pingyao eine der Finanzhochburgen Chinas. Im chinesisch-japanischen Krieg (1937 - 1945) widerstand das antike Mauerwerk lange den japanischen Angriffswellen und konnte erst durch eine List überwunden werden – die Japaner "dankten" es den Chinesen nach der Eroberung der Stadt mit besonderer Grausamkeit. Heute ist Pingyao eine verschlafene Kleinstadt – die Altstadt wurde 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

Der Traum der roten Kammer (Hóng Lóu Mèng) ist einer der berühmtesten klassischen Romane aus der VR China. Der Autor Cao Xueqin (1715 - 1764), der seine eigene Romanvorlage wiederholt überarbeitete, konnte die von ihm konzipierten über 100 Kapitel selbst nicht vollenden. 1792 erschien eine von Kao O auf 120 Kapitel erweiterte – vorläufig endgültige – Fassung. Der Roman schildert die filigran verästelte und mit über 350 Figuren bestückte Geschichte vom Aufstieg und Verfall einer mandschurischen Aristokratenfamilie, reduziert auf die Krankheitsgeschichte eines degenerierten Schwächlings, der durch Depressionen hindurch ein nach Außen hin sorgenfreies dekadentes Leben führt. Da Kao O das Ende der Geschichte etwas "angepasst" hatte, um der Zensur des Kaisers zu entgehen, verlor die Überarbeitung den früheren sozialkritischen Hintergrund. Der berühmte Roman gilt als gelungene Darstellung Chinas in der Qing-Dynastie. Im Jahre 1944 wurde der Roman erstmals verfilmt (Regie: Bu Wancang). Drehort war ein altes herrschaftliches Gut in der Provinz Shanxi – die Aufnahmen hiervon befinden sich am Ende der Bilderserie.

 
     
 

 

 
     
 
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